Spieler
Es ist vielleicht keine Übertreibung zu sagen, daß einige Könige und sehr erfolgreiche Generäle ihre führenden Leute aus diesem großen Spiel des Polo zu sich geholt haben. Tausende spielen Polo, aber wer sind nun diejenigen, die im Polo nachhaltig die Erfolgsleiter nach oben steigen und deren Spitze erreichen? Die Beantwortung dieser Frage wird ziemlich einfach, wenn man die charakteristischen Merkmale eines wirklich guten Polospielers genau betrachtet. Sie sollen deshalb nachfolgend kurz zusammengefaßt werden:
Physische Fitness:
Polo ist kein Spiel für physisch schwache Leute. Dies ist auch einer der Gründe, warum nur ganz wenige Leute Polo spielen, denn die meisten sind wegen des Lebens, welches sie normalerweise führen, nicht hart und abgehärtet genug.
Vorausahnen des Spielgeschehens und schnelle Reaktionen:
Ein hochqualifizierter Spieler wird immer drei Spielzüge im voraus denken. Deshalb ist er auch stets in einer Position, in der er die Kräfte seines Pferdes nicht nutzlos durch unnötiges Hin- und Hergallopieren vergeuden muß.
Jemand, der keine gute Reaktionsfähigkeit besitzt, kann es im Polo nicht weit bringen.
Gewandtes Reiten:
Es ist wesentlich für einen guten Polospieler, daß er ein ganz erstklassiger Reiter und Pferdekenner ist, denn nur dann kann er das Pferd zu den besten Leistungen bringen. Sehr wichtig ist auch die Harmonie zwischen Reiter und Pferd.
Schnelles Denken:
Da Polo eines der schnellsten Spiele ist, ändern sich auch sehr schnell die Spielsituationen, deren Lösungen deshalb der Eingebung des Augenblicks folgend erdacht werden müssen. Mit anderen Worten ist also sehr schnelle Einschätzung der Spielsituation ein entscheidener Faktor für den Erfolg.
Mannschaftsgeist:
Polo ist ein Mannschaftsspiel. Einige Spieler sind – einzeln gesehen – großartig, aber sie passen nicht ganz in eine Mannschaft und die Ergebnisse werden dann schlecht sein.
Beste Entfaltung unter Druck:
Einige Spieler sehen großartig aus, wenn ihre Mannschaft mit einem sicheren Vorsprung führt. Wenn sie jedoch richtig gefordert werden, klappen sie leicht zusammen. Die wirklich guten Spieler werden jedoch gerade unter Druck glänzen und ihr Bestes zeigen.
Nerven:
Unzweifelhaft spielen Nerven beim Polo eine große Rolle. Einige Spieler verlieren ihre Nerven schnell und bringen deshalb nur schlechte Ergebnisse hervor. Diejenigen aber, die ihre Ausgeglichenheit auch angesichts einer schweren gegnerischen Übermacht beibehalten, bringen die besten Leistungen.
Verhalten nach einer Niederlage:
Die Art und Weise, in der ein Spieler nach einem verlorengegangenen Spiel reagiert, ist ein Indiz für sein Spielerformat. Wenn ein Spiel verloren ist, verlieren manche Leute die Ruhe und sind entäuscht. Sie schieben dann ihren Mannschaftsgefährten die Schuld an der Niederlage zu und fluchen sogar auf sie.
All’ dies hat dann zur Folge, daß das ganze Team zusammenbricht.
Diejenigen aber, die im Spiel und auch ganz allgemein im Leben weiterkommen, lernen aus ihren Niederlagen. Sie sind -ohne moralische Einbußen- bestrebt, ihre Fehler zu korrigieren, um der Zukunft vertrauensvoll zu begegnen.
Gewöhnlich sind die Spieler nach einem gewonnenen Spiel freundlich und liebenswürdig zueinander. Nach einer Niederlage sprechen sie aber noch nicht einmal mehr miteinander! Solche Teams bzw. Spieler kommen nicht sehr weit.
Verhalten nach einem Sieg:
Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sich gute Spieler nach einem Sieg verhalten. Sie berauschen sich nicht an den Lobhymnen der anderen. Sie verlieren auch sonst nicht ihre Ausgeglichenheit, sondern versuchen, die gleiche Leistung noch einmal zu zeigen und, wenn möglich, beim nächsten Mal noch bessere Ergebnisse zu bringen.
Organisationsfähigkeit:
Wie auf jedem anderen Gebiet spielt auch im Polo die Fähigkeit, zu organisieren, eine nicht wegzudenkende Rolle, um dem Erfolg näher zu kommen.
Gebührende Einschätzung der Stärke des Gegners:
Ein guter Spieler wird niemals seinen Gegner unterschätzen. Gleichzeitig wird er sich aber auch angesichts der schwersten Übermacht eines Gegners nicht defaitistisch geben. Vielmehr wird er auch dann auf das Spielfeld mit völliger Entschlossenheit kommen, und zwar mit dem Willen, einen bestmöglichen Kampf zu zeigen.
Äußerste Anstrengung und Achtsamkeit:
Sorglosigkeit und Unachtsamkeit haben schon viele Rückschläge verursacht. Ein guter Spieler wird sich deshalb bis zum Äußersten anstrengen und bis zur letzten Sekunde nicht aufgeben.
Der Wunsch besser zu werden:
Ein guter Spieler wird immer den Wunsch voranzukommen, in einem guten Maße haben, denn sonst kann er sich nicht verbessern.
Wenn er einen besseren Spieler sieht, wird er, statt eifersüchtig zu sein, nachhaltig bestrebt sein, die guten Fähigkeiten des anderen anzunehmen und, wenn möglich, den anderen zu übertreffen.
Achtung vor den Mannschaftsgefährten:
Ein guter Spieler wird vor seinen Mannschaftsgefährten stets Achtung haben und zu jedem von ihnen nett sein. Er ist nicht selbstsüchtig und spielt ihnen den Ball zu. Er verwünscht sie auch dann nicht, wenn die Sache einmal nicht so gut läuft. Vielmehr ermutigt er sie, wenn sie gut spielen. Wenn er einmal bei seinen Mannschaftsgefährten beliebt ist, bekommt er von ihnen ein Maximum an Mitwirkung.
Kein Spielen für den Zuschauer:
Viele Spieler haben die Schwäche, für das Publikum zu spielen. Sie vergeuden ihre Energie damit, ihr Spielen im „besten Licht“ erscheinen zu lassen, anstatt sich wirklich anzustrengen. Ein guter Spieler kümmert sich jedoch nicht darum, was die Zuschauer über ihn denken.
Die Fähigkeit, Kritik zu ertragen:
Die meisten Spieler können keine Kritik über sich selbst ertragen. Diejenigen aber, die wirklich vorankommen wollen, hören sich Kritik aufmerksam an und ziehen alsdann einen maximalen Nutzen daraus, damit sie ihre Schwächen korrigieren können.
Bewahrung der Form:
Manch talentierte Spieler kommen nach einer gewissen Arbeit und Erfahrung zu einer guten Form. Aber es ist nicht einfach, diese Form auch zu bewahren. Wenn man nicht sehr bedachtsam in dieser Richtung ist, kann man seine Form leicht verlieren. Viele wesentliche Anziehungen begegnen einem, wenn man in einen gewissen Mittelpunkt des Interesses gekommen ist, und dann geht der große Schatz verloren, bevor man es selbst bemerkt.
Philosophischer Ausblick:
Ein guter Spieler wird von einer philosophischen Weltanschauung geprägt. Er glaubt an das Prinzip „First deserve and then desire“. Er erlaubt sich nicht, von Siegesträumen gefangen zu sein.
Vielmehr tut er seine Pflicht in der effizientesten Form und überlässt – im Geiste des Bhagavat Geetha – Gott das Ergebnis seiner Anstrengungen. Wer hiernach handelt, ist ein echter Kämpfer und wird auch in allen sonstigen Lebenslagen Erfolg haben.